Erfahrungs­bericht

Bernarda – Schulaufenthalt

Erfahrungs­bericht

Bernarda – Schulaufenthalt
Bewerbungsprozess

Ich habe eine Bewerbung im Spätsommer 2017 abgeschickt, wurde im Herbst angenommen und hatte dann im Laufe des Jahres 3 Vorbereitungsseminare – insgesamte Vorbereitungszeit also ca. ein Jahr.
Zuerst habe ich mich im Internet informiert, für welche Länder es beim Schulaufenthalt im Ausland gute Stipendienchancen gibt. Hongkong war mit dem Mercator-Stipendium in der Liste inbegriffen, und da AFS die einzige Organisation war, die Hongkong als Zielland anbietet habe ich meine Bewerbung dann dorthin geschickt. Nach einigen Wochen des Wartens wurde ich auf ein Auswahlwochenende eingeladen. Nachdem ich das bestanden hatte, kamen noch einmal zwei Ehrenamtliche von AFS zu mir nach Hause und haben mich und meine Familie interviewt. Im späten Herbst kam dann die endgültige Zusage.

Das habe ich gemacht

Meine „Hauptaufgabe“ war der Besuch einer Schule und das Repräsentieren meines Landes. Ich habe in einer Gastfamilie gewohnt und so die Kultur besser kennengelernt; ich war mit ihnen auch mehrmals im Urlaub und auf Wochenendausflügen. Ansonsten hat AFS viele Veranstaltungen organisiert. So habe ich mehrmals Vorträge an verschiedenen Grund- und weiterführenden Schulen gegeben. An meiner eigenen Schule habe ich einen wöchentlichen Deutschkurs angeboten. Mein Highlight war, als ich eine Rede vor der HK Teacher Association in einer der größten Unis geben durfte, thematisch ging es um den Vergleich der Schulsysteme in Hongkong und Deutschland. Außerdem habe ich viel Zeit damit verbracht, mich so gut wie möglich zu integrieren, ich hatte zwei Mal die Woche Sprachunterricht, nahm an drei AGs in meiner Schule teil und verbrachte die Wochenenden und Ferien so gut ich konnte mit Freund(inn)en.

Kosten

Die Programmkosten beliefen sich auf ca. 9500 Euro (Versicherung, Flüge etc. inclusive). Ich hatte das Glück, ein Sprachstipendium der Stiftung Mercator zu erhalten, dadurch bekam ich 4000 Euro der Programmkosten und 1500 Euro für eine Sprachschule erstattet. Außerdem habe ich mit meiner Familie Auslandsbafög beantragt, das wurde dann ca. drei Monate nach meiner Abreise genehmigt und ich bekam nochmal ca. 450 Euro monatlich. AFS Hongkong hat vor Ort die Kosten für den Transport zur Schule und zu AFS-Veranstaltungen übernommen sowie die Kosten für medizinische Behandlungen und das Schulessen. Zudem hatte ich sehr Glück mit meiner Schule: Mir wurde die Schuluniform, Materialien und die Klassenfahrt bezahlt. Im Endeffekt kam ich selbst „nur“ für persönliche Extras sowie Freizeitgestaltung auf, dafür hatte ich mein Kindergeld und einen kleinen Zuschuss meiner Eltern zur Verfügung.

Mein Tipp

Im Vorfeld sollte man sich überlegen, ob man es wirklich will und sich zutraut. Ein Schuljahr im Ausland ist nichts für schwache Nerven – erst mit der Zeit verstand ich, dass die vielen Vorbereitungsseminare durchaus nötig waren. Man stellt sich immer alles so perfekt vor, jedoch gibt es auch sehr viele Tiefpunkte und Phasen, in denen man sich am liebsten die ganze Zeit unter der Decke verkriechen möchte. Auch die Zeit danach ist schwierig – das Leben kann ein vollkommen anderes sein. Man sollte deshalb eine dicke Haut haben und wissen, wie man sich selbst immer wieder aufmuntern kann. Außerdem sollte man vorsichtig sein wie man sich gegenüber seinen Mitmenschen verhält, ich konnte mir anfangs nicht vorstellen wie unterschiedlich Verhaltens- und Denkweisen sein können und wurde deshalb oft missverstanden. Also: lieber zuhören als reden, lieber beobachten als vormachen. Des Weiteren ist es rückblickend wichtig, bei einem Schuljahr im Ausland nicht nur Wert auf den Spaß und die Erholung zu legen – viele Anfangs „unangenehme“ Dinge bringen einem oft die besten Erfahrungen (z.B. mit der Gastfamilie jede Wochein die Kirche gegen, viel Zeit in das Lernen der Sprache investieren, sich auch mal mit den „uncoolen“ Mitschüler(inne)n treffen, …). Man sollte versuchen, so oft wie möglich aus seiner Komfortzone herauszutreten.

Mein Fazit

Die zehn Monate in Hongkong waren – trotz allen Schwierigkeiten –die beste Zeit meines Lebens. Das Gefühl, aufzuwachen und nicht genau zu wissen, was der Tag bringt, weil alles irgendwie immer neu ist, habe ich immer genossen. Ich habe mich persönlich um einiges weiterentwickelt, ich verstehe, dass Verhaltensweisen sowie Moralvorstellungen auf der ganzen Welt unterschiedlich und dabei alle vollkommen okay sind. Die Welt verändert sich immer, wenn man seinen Standpunkt wechselt. Auch kenne ich jetzt die asiatische Kultur gefühlt besser als meine eigene. Ich weiß warum wie und was gegessen wird oder warum wie gehandelt wird. Es mag wie ein Standardspruch klingen, aber mein Weltbild hat sich auf jeden Fall um einiges geweitet. Die offensichtlichen Dinge sind natürlich auch nicht ohne: Ich habe nicht nur Freundinnen und Freunde in Hongkong, sondern in der ganzen Welt gefunden. Mit anderen AFS-Austauschschüler(inne)n teilte ich Sorgen und Probleme und dadurch, dass man sich durch sein Anders-Sein und westliches Denken irgendwie ähnlich war, war es viel einfacher, Freundschaften zu knüpfen als mit Hongkonger(inne)n. Spaß gemacht haben mir neben den großen Ausflügen auch die kleinen Momente: Mit meinen Schulfreundinnen im Mädelsklo Klatsch und Tratsch austauschen, beim Sonnenuntergang am Meer joggen, mit meinem Gastpapa chinesisch kochen oder mit einem Fremden in der U-Bahn Gespräche über meine erstaunlich guten Kantonesisch-Kenntnisse führen. In solchen Momenten habe ich gemerkt, dass ich wirklich ein zweites Zuhause gefunden habe.

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